Statt eines zweiwöchigen Praktikums wartete auf acht Schüler:innen der ISS Mahlsdorf in diesem Schuljahr eine besondere Herausforderung: Gemeinsam planten sie eine achttägige Trekkingtour in die Schweizer Alpen – von der ersten Idee über die Finanzierung bis zur Durchführung. Dabei stand neben dem Wandern die Frage, wie viel Verantwortung junge Menschen übernehmen können, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt im Mittelpunkt.

Zu Beginn des Schuljahres stellten wir das neue Projekt in den Klassen vor. „Dieses Jahr neu: Statt zwei Wochen Praktikum zum Schuljahresende stellt ihr euch einer Herausforderung. Ihr entscheidet als Gruppe selbst, worin diese Herausforderung bestehen wird.“

Nach einer Bewerbungsphase entstand schließlich eine Gruppe aus acht Schüler:innen, aus drei verschiedenen Klassen. Von diesem Moment an lag die Verantwortung bei ihnen: Gemeinsam mussten sie sich auf eine Herausforderung einigen, die Reise planen, Spenden sammeln, Förderanträge schreiben und ihre Unternehmung durch Fundraising finanzieren. In wöchentlichen Treffen entstand Schritt für Schritt aus einer Idee ein konkreter Plan. Schnell fiel die Entscheidung auf eine Wanderreise nach Kandersteg in der Schweiz.

Nach Monaten der Vorbereitung war es am 23. Juni endlich so weit. Mit großen Rucksäcken und spürbarer Aufregung startete die Gruppe am Berliner Hauptbahnhof. Dass die Deutsche Bahn uns auf der Hinfahrt ohne Verspätung ans Ziel brachte, war dabei fast schon die erste positive Überraschung.

Kaum in Kandersteg angekommen, stand bereits die erste Entscheidung an: Laufen wir die vier Kilometer bis zu unserem Zeltplatz im höher gelegenen Gasterntal oder nehmen wir den Bus? Die Gruppe entschied sich fürs Laufen. Schon auf den ersten Höhenmetern zeigte sich, worum es bei diesem Projekt wirklich ging. Einige Schüler:innen kamen an ihre körperlichen Grenzen, doch anstatt aufzugeben, unterstützten sie sich gegenseitig beim Tragen der schweren Rucksäcke. Der Zusammenhalt der Gruppe war vom ersten Tag an spürbar.

Empfangen vom Klang der Alphörner erreichten wir schließlich unsere Zeltwiese mitten im Gasterntal. Dort bauten wir unsere Zelte auf, richteten uns ein und gewöhnten uns schnell an das einfache Leben an der frischen Luft und ohne Strom. Eine Frischwasserquelle versorgte uns mit Wasser, der Bach diente zur Abkühlung – und für die nächsten acht Tage hieß es waschen im Bach. Umgeben von steilen Felswänden konnten wir sogar Gämsen in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

Auch im Camp war Eigenverantwortung gefragt. Die Schüler:innen kochten in Zweierteams auf Campingkochern, organisierten ihren Alltag selbst und meisterten dabei nicht nur gelungene Mahlzeiten, sondern auch den einen oder anderen kulinarischen Fehlversuch – von angebrannten Spaghetti bis zu einem kurzzeitig in Flammen stehenden Campingkocher.

Die Wanderungen planten die Schüler:innen eigenständig. Nach kurzer Absprache mit uns führten sie die Gruppe durch die beeindruckende Berglandschaft. Es wurden Gipfel erklommen, Wasserfälle bestaunt und im Oeschinensee gebadet. Besonders anspruchsvoll war eine Tour mit über 20 Kilometern und zahlreichen Höhenmetern. Zwischendurch sorgten ruhigere Lagertage für Erholung. Dann wurden Lebensmittel eingekauft (immerhin auch 8 km), Feuerholz gehackt, ein kleiner Staudamm als natürliche Kühlung gebaut und gemeinsame Abende am Lagerfeuer genossen. Muskelkater, Blasen und müde Beine gehörten ebenso zur Erfahrung wie viele unvergessliche Erlebnisse.

Mit über drei Stunden Verspätung erreichten wir schließlich mitten in der Nacht wieder Berlin – müde, aber stolz auf das, was wir gemeinsam geschafft hatten.

Bei der Reflexion in der darauffolgenden Woche wurde deutlich, wie unterschiedlich die persönlichen Herausforderungen gewesen waren. Für manche war es die körperliche Anstrengung und schmerzende Beine, für andere das Leben ohne Dusche oder das Zusammenleben mit einer Gruppe, die nicht aus Familie oder Freund bestand. Eines hatten jedoch alle gemeinsam: Sie hatten ihre Komfortzone verlassen und dabei erlebt, was man gemeinsam erreichen kann.

Das Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Eigenverantwortung, Durchhaltevermögen und Zusammenhalt in den Schüler:innen steckt. Für uns ist deshalb klar: Die erste „Herausforderung“ an der ISS Mahlsdorf war erst der Anfang.

Steffen Engler und Lena Gallus (Schulsozialarbeit)

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